Ein Strafverteidiger hat keinen grundsätzlichen Anspruch auf den Ausdruck einer kompletten e-Akte zum Zweck der sachgerechten Verteidigung, wenn ihm die komplette Akte auch dauerhaft in digitalisierter Form als Arbeitsgrundlage zur Verfügung steht.
Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf hat in einer kürzlich veröffentlichen Pressemitteilung darauf hingewiesen, dass für einen Strafverteidiger zum Zweck der sachgerechten Verteidigung kein grundsätzlicher Anspruch auf den Ausdruck einer e-Akte besteht. Vielmehr sei es dem Verteidiger zuzumuten, sich zunächst mit Hilfe der e-Akte in den Sachverhalt einzuarbeiten und erst auf dieser Grundlage zu entscheiden, welche Aktenbestandteile auch in Papierform für die weitere Verteidigung benötigt werden. Die Dokumentenpauschale, über die Druckkosten ersetzt werden können, berechtige den Verteidiger nicht zum wahllosen Ausdruck aller überreichten Datenträger, sondern sei auf diejenigen digitalisierten Aktenteile beschränkt, die das Verfahren betreffen. Das OLG Düsseldorf verwies in seiner Pressemitteilung auf zwei Entscheidungen, in denen es sich mit unverhältnismäßigen Auslagen zu beschäftigen hatte. In einem Fall hatte es den geltend gemachten Vorschuss auf voraussichtlich entstehende Auslagen in Höhe von 67.262 ? auf 14.044 ? gekürzt.